"Verbandsgeographie" in der Informatiklanschaft
Schweiz
Wer die heutige Bedeutung der Informatik für die Schweizer Wirtschaft kennt und sich gleichzeitig in der reichhaltigen Schweizer Verbandswelt auch nur oberflächlich umsieht, sieht rasch, dass in der Informatik jene zentrale Rolle nicht besetzt ist, welche etwa der SIA für Bauingenieure und Architekten oder der SEV für den Elektrobereich spielt. Diese Verbände haben auf ihrem Fachge-biet mehrere Funktionen; einerseits bieten sie den entsprechenden Fachleuten Kontakte, Weiterbildung und andere Dienstleistungen an, anderseits treten sie in der Oeffentlichkeit massgebend mit technischen Normen, Prüfinstanzen, Musterverträgen und ähnlichen Diensten in Erscheinung. Dennoch sind es Fachverbände, nicht Wirtschaftsverbände, und sie gehören der Schweiz. Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) an.
Auch wenn ein solch kräftiger Fachverband im Bereich der Informatik in der Schweiz (noch) nicht existiert, werden manche der oben genannten Funk-tionen sehr wohl wahrgenommen, und zwar durch einzelne oder mehrere der vielen kleineren Fachverbände, die im Laufe der letzten Jahrzehnte angesichts der prosperierenden Informatik entstanden sind und die sich 1980 in einem Dachver-band, dem Schweizerischen Verband der Informatikorganisationen/Fédération suisse des organisations d'informatique (SVI/FSI) vorerst lose zusammengeschlossen haben. Diese Form des Zusammenschlusses war damals das einzig Mögliche, hatte aber den Nachteil, dass sich die Informatik damit in der Schweizer Verbandswelt nur schlecht sichtbar machen lässt. Erst in den letzten Jahren wurde dies punktuell verbessert, indem der Dachverband verschiedene Projekte (schweizerische Fachzeitschrift, wissenschaftliche Konferenz, Prüfungsträgerschaft) gemeinsam mit einzelnen Mitgliedorganisationen an die Hand nahm und damit auch selber stärker an die Öffentlichkeit trat.
Mitgliedorganisationen im SVI/FSI sind heute dreizehn Fachverbände, die alle ihre eigenen Spezialaspekte innerhalb der "Informatik Schweiz" vertreten und in den entsprechenden Interessentenkreisen geschätzt werden. Alphabetisch aufgelistet sind dies (in Klammer die ungefähren Mitgliederzahlen 1996/97; EM = Einzelmitglieder, KM = Kollektivmitglieder, also Firmen, Verwaltungen etc.):
Die Mitgliedorganisationen bieten ihren Mitgliedern und meist auch weiteren In-teressenten vor allem fachliche Weiterbildung an. Die kräftigsten unter ihnen, d.h.
Die Schweizer Informatik hat aber in der Öffentlichkeit noch längst nicht den Bekanntheitsgrad und die Wirkungsmöglichkeiten, die ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und der Zahl der in diesem Bereich Berufstätigen entsprechen würde. So betrifft eine wichtige Lücke Vernehmlassungen für neue Bundesgesetze und -verordnungen durch die verschiedensten Bundesämter: Hier werden die Informatiker noch immer oft ganz einfach vergessen, weil ihr Dachverband SVI/FSI noch zu wenig bekannt ist.
An zwei anderen Stellen "ganz
oben" ist der SVI/FSI aber seit jeher reguläres Mitglied: in der SATW
und in der IFIP.

Die SATW – die Schweiz. Akademie
der Technischen Wissenschaften – wurde 1981 als Dachverband der technischen
Fachverbände (inkl. SIA, SEV!) gegründet, der damals junge SVI/FSI
stand an dieser Wiege bereits dabei. Ueber die SATW erhält die Gemeinschaft
der Schweizer Informatiker nicht bloss Informationen aller Art, sondern
auch die Möglichkeit, bei Stellungnahmen aller technischen Verbände
mitzuwirken. Und zum dritten fliessen über diese Quelle auch einige
Bundesbeiträge zu uns, nämlich für Reisekosten zur Vertretung
der Schweizer Informatik in den internationalen Gremien der IFIP.
Die IFIP - International
Federation for Information Processing - ist der Welt-Dachverband der nationalen
Informatikgesellschaften und kennt neben einer Gesamtdelegiertenversammlung
etwa ein Dutzend Technische Komitees (in denen je auch die Schweiz vertreten
ist) und sehr viele Arbeitsgruppen (wo die entsprechenden Fachleute tätig
sind). Viele internationale Fachkon-ferenzen und die entsprechenden Publikationen
zeugen von der Bedeutung der IFIP. Die Schweiz stellt gegenwärtig
gar zum dritten Mal den Präsidenten dieses Weltverbandes (K. Bauknecht,
nach A.P. Speiser und P.A. Bobillier).
Neben den Verbänden
im SVI/FSI-Umfeld gibt es allerdings auch in der Schweiz noch verschiedene
andere Verbände und Vereine, die sich ebenfalls mehr oder weniger
direkt mit Informatik befassen. Zu den Wirtschaftsverbänden gehört
der – bereits erwähnte – SWICO der In-formatiklieferanten, aber auch
der SAP (Schweiz. Automatik-Pool). Neben den Fach- und den Wirtschaftsverbänden
gibt es noch viele weitere Vereine, von Trägervereinen und Absolventen-vereinigungen
bestimmter Informatikschulen bis zu Clubs von Hobby-Informatikern.
Für den Informatiker
und die Informatikerin, die in einem Fachverein eine berufliche Heimat,
Wei-terbildungsmöglichkeiten sowie den Kontakt zum Kollegenkreis suchen,
stehen in der Schweiz die oben aufgezählten dreizehn Fachorganisationen,
die ihrerseits im SVI/FSI zusammengeschlossen sind, bestimmt im Vordergrund.
Für die Informatik in der Schweiz als Ganzes ist ihr verstärktes
gemeinsames Auftreten noch weiter zu fördern.
Carl August Zehnder